CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

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Es ist Samhain… - Mein erster Blog vom 1.11.2006

Erinnerungen an meinen alten Blog


Heute ist ein Tag... die Tore zwischen den Welten sind offen...

Erster Eintrag vom 1.11.2006


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Was ist in einem Buch los?

Ich möchte wissen, was ist eigentlich in einem Buch los, solang es zu ist. Natürlich sind nur Buchstaben drin, die auf Papier gedruckt sind, aber trotzdem - irgendwas muss doch los sein, denn wenn ich es aufschlage, dann ist da auf einmal eine ganze Geschichte. Da sind Personen, die ich noch nicht kenne, und es gibt alle möglichen Abenteuer und Taten und Kämpfe - und manchmal ereignen sich Meeresstürme, oder man kommt in fremde Länder und Städte. Das ist doch alles irgendwie drin im Buch. Man muss es lesen, damit man's erlebt, das ist klar. Aber drin ist es schon vorher. Ich möcht' wissen, wie?

Michael Ende - Die unendliche Geschichte

Eigentlich bin ich kein Bücherwurm, der ständig sich durch Bücher frisst, sondern ein Erzähler. Aber die Frage ist schon wichtig - und übertragbar! Oft habe ich es mich schon gefragt: Was ist mit einer Geschichten los, wenn sie gerade keiner erzählt? Ist's eine Art Dornröschenschlaf, bis jemand die Geschichte wieder in den Mund nimmt? Basiles Dornröschen, Talia, bekommt im Schlaf Besuch und gebiert zwei Kinder: Sonne und Mond. Alles im Schlaf! Oder ist's eher wie bei Schneewittchen? So schön aber so tot, bis jemand aus Versehen darüber stolpert?

Was passiert, wenn man drüber stolpert, wenn man es in den Mund nimmt und wieder zum Leben erweckt? Die Geschichte wird reanimiert: Anima, das Leben aber auch die Seele - sie wird beseelt. Was geschieht mit meiner Seele, wenn ich die Geschichte beseele? Eine wirklich wichtige aber auch seltsame Frage...

Gedanken aus meinen Joomla-Blog www.MONDHELD.de


Peredur uab Evrawc

Peredur ist eine walisische Variante von Parzival oder Perceval.

Dies ist ein unvollendeter Versuch einer Nacherzählung.

In der Waldeinsamkeit mit seiner Mutter

Peredure jagt

Peredure jagt

In einer einsamen Gegend des alten Britanniens, einer Wildnis zwischen Wäldern und Hochmooren, fern ab von jeder Siedlung und Burg, da lebte die Witwe des Evrawc mit ihrem einzigen, ihr noch gebliebenen Sohn Peredur. Ihr Gatte und ihre 6 anderen Söhne, große Krieger und Ritter, weithin geachtete Helden, waren alle im Kampf gefallen. Und der Gedanke, dass auch ihr jüngster Sohn in den Krieg ziehen und einen Heldentod suchen und finden könnte, brach ihr das Herz. Nur mit einigen wenigen Dienern, denen es untersagt war, irgendetwas vom Rittertum und dem Feldern der Ehre zu sagen, ja, denen es verboten war, Kampf und Bewährung zu erwähnen, zog sie sich in diese Einöde zurück. Hier glaubte sie fortan glücklich und in Frieden leben zu können.

Die Diener sollten zu sehen, dass der Junge nicht sich mit Kampfspiel oder Ähnlichem beschäftigte. Ja, man versuchte den Knaben jede Herausforderung zu nehmen. Die Diener gingen jagen. Der Knabe musste die Ziegen hüten auf der Nahen Lichtung. Weiß Gott, kein Abenteuer war da in Sicht... glaubten sie.

Eines Tages aber da sah Peredur zwei Rehe auf der anderen Seite der Lichtung. Er wunderte sich über die seltsamen Ziegen und meinte es müssten wohl Ziegen sein, die seiner Mutter schon vor langem entlaufen seien. Und als es Zeit war, da nahm er sich eine Gerte und trieb die Ziegen heim. Nun: die Rehe wollten nicht mit gehen, aber der Jüngling lief so schnell und geschickt und treib sie in die Herde zurück und brachte sie glücklich mit den Ziegen in ihren Stall. Er hatte es geschafft, aber er war weitaus mehr gelaufen als gewöhnlich.

So kam es, dass er von der vielen Lauferei so erschöpft war, dass man ihn gleich nach dem Grund dafür fragte. »Nein,« sagte Peredur, »es war nichts besonderes heute. Aber ich habe zwei Ziegen wiedergefunden, die uns wohl einmal entlaufen sein müssen, aber ich habe sie mit den anderen in den Stall gebracht.« Da gingen einige Diener hinaus, um zu schauen, was vorgefallen war... Als sie die Rehe unter den Ziegen sahen, da schauten sie sich bedeutungsvoll an. »Wahrlich,« sagte ein Alter, »wer das vollbringt, von dem kann man noch viel mehr erwarten.«

Peredur begegnet den Rittern

Peredur begegnet den Rittern

Eines Tages nun – da sahen sie drei Ritter am Waldrand entlang reiten. Es war Owein uab Urien, gefolgt von Gwalchmei uab Gwyar und Gwair uab Gwystl. Sie suchten jenen Ritter, der am Hofe Arthurs Äpfel verteilt hatte – aber das ist eine ganz andere Geschichte, die werde ich wohl besser ein andermal erzählen. Auch Peredur sah die Ritter und er fragte: “Mutter, was sind jene dort?”

“Das sind Engel, mein Sohn!”, antwortete sie.

“So will ich selbst als Engel mit ihnen ziehen!”, gab Peredur zurück und lief zum Pfad, den Rittern entgegen.

“Sage, mein Freund”, sprach ihn Owein an, “hast du einen Ritter hier vorbeiziehen sehen, gestern oder heute?”

“Das weiß ich nicht”, antwortete Peredur, “was ist denn ein Ritter?”

Owein blickte seine Begleiter an und sie lächelten nachsichtig. “Nun: so einer wie wir ist das”, gab Owein zurück.

“Wenn du mir sagst, wonach ich dich frage, dann will ich dir wohl sagen, was du wissen willst.”

“Das will ich gerne”, sagte Owein.

“Dann sage mir, was dies dort ist?”, fragte Peredur und deutete auf den Sattel des Ritters.

“Dies ist ein Sattel”, sagte Owein. Und Peredur begann nach allem zu fragen, was er sehen konnte und was er wissen wollte, wozu es gut sei und wie man es benutze. Und der Ritter lächelte zwar das ein oder andere Mal aber er gab trotzdem dem Jungen ausführlich Bescheid.

“Reitet nur weiter”, sagte endlich Peredur, “gestern zog einer wie ihr dort oben entlang in jene Richtung. Nun aber werde ich mich fertig machen und dann will ich euch als Ritter nachfolgen.”

Die Ritter verabschiedeten sich und zogen weiter. Peredur aber kehrte zu seiner Mutter und dem Gesinde zurück. “Mutter”, sprach er, “dies dort waren keine Engel, es waren Ritter.” Da brach seine Mutter zusammen und fiel in eine tiefe Ohnmacht. Peredur aber ging in den Stall. Dort standen die Pferde, mit denen man Brennholz aus dem Wald, Trank und Speise aus den umliegenden Ansiedlungen holte. Dort stand ein alter, knochiger Gaul. Peredur hielt es für das beste Pferd und legte ihm einen Korb aus Binsen über – als Sattel. Aus Weidenruten machte er sich Zaumzeug, so wie er es bei den Rittern gesehen hatte. Und aus einer Ecke holte er sich einige angespitzte Wurfspieße, die die Diener zur Jagd benutzten.

Dann ging er zu seiner Mutter, die mittlerweile aus ihrer Ohnmacht erwacht war. “Nun, du willst aufbrechen?”, fragte die Gräfin.

“Ja, Mutter.”

“Warte dann noch, denn ich will dir Rat geben.”

“Ja, Mutter. Aber sprich schnell, denn ich will los.”

“So zieh an Arthurs Hof, wo die besten und tapfersten Männer sind. Dort wirst du willkommen sein. Wo immer du eine Kirche siehst, bete vor ihr dein Vaterunser. Wenn du Hunger und Durst hast, man dir aber Speise und Trank nicht aus Höflichkeit anbietet, so nimm sie dir selbst. Wenn du Schreie hörst, so gehe dem nach. Dem Schrei einer Frau noch eher als jedem anderen. Wenn du Edelsteine siehst, so nimm sie und schenke sie einem anderen – davon wirst du Ruhm haben. Wenn du eine schöne Frau siehst, so begehre sie, auch wenn sie dich abweist. Einen besseren Menschen wird es aus dir machen.”

Darauf dankte Peredur seiner Mutter und verabschiedete sich. Ohne sich umzublicken ritt er davon.

...

Nach einer walisischen Geschichte - bislang unvollendet - Nacherzählt

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Buckels Lied

Jene Gegend war berühmt ~ vorzeiten ~ wegen ihrer Elfenhügel. Ich weiß nicht, wo die geblieben sind. Man findet keine mehr.

Aber sie waren einmal da: die Elfen, tanzten um ihre Hügel und sangen dazu: "Montag und Dienstag. Montag und Dienstag." Das waren nämlich die Wochentage, die sie kannten.

Einst ging ein alter Mann übers Moor. Er hatte einen Buckel. Es war spät geworden. Er hörte die Musik und das Lachen und Singen des kleinen Volkes und kam neugierig heran. Versteckt hinter einem Busch saß er und schaute eine Weile zu. Leise summte und sang er die Melodie mit. Dann aber sang er ~ ohne so recht zu wissen warum: "Montag, Dienstag und Mittwoch."

"Montag, Dienstag und Mittwoch", sangen die Elfen, "Montag, Dienstag und Mittwoch."

Eine Elfe schaut den Buckligen an: "Oh, geht doch und nehmt ihm den Buckel ab und legt ihn auf die Wiese!"

So kam er mit geradem Rücken nach Hause. Da begegnete ihm ein anderer Mann. Auch dieser hatte eine Buckel. Der wunderte sich natürlich: "Nun, mein Alter! Wie hast du es nur fertiggebracht, deinen Buckel loszuwerden?" Er erzählte ihm, wie es ihm ergangen war. "Geh nur zu dem Hügel dort drüben, sie tanzen da immer noch."

So ging dieser Mann also auch zu dem Hügel. Und er fing gleich an, laut zu schreien "Montag, Dienstag, Mittwoch" und um es besonders gut zu machen, fügte er noch "Donnerstag" hinzu. "Oh", kreischten die Elfen, "er hat uns die ganze Melodie verdorben! Geht hinaus und setzt ihm den Buckel, der dort auf der Wiese liegt, noch zu seinem dazu auf den Rücken."

So kam es, dass der Mann mit zwei Buckel heim kam.

Nach Märchen der Weltliteratur - Schottische Märchen - nacherzählt

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Finn MacCumhal und der walisische Riese

Schnee in den Bergen von Kerry

Zu jener Zeit als die Heldentaten von Finn MacCumhal in aller Munde waren, hörte auch ein Riese in Wales davon. Nun war dieser gewiss der mächtigste Riese in ganz Britannien und selbst auf dem Kontinent konnte man kaum jemanden finden, der es mit ihm aufnahm. So entschloss sich der Waliser, nach Irland zu gehen und seinen Rivalen Finn herauszufordern.

Eines schönen Tages, als besonders niedriges Wasser in der Irischen See war, machte sich der Riese auf und marschierte quer hindurch, weiter durch Irland bis er zu den Tomies Bergen nahe Killarney kam, wo Finn wohnte. Als der Waliser nun Kerry betrat hörte und sah Finn einen Feind, den er sich nicht wünschte. Nicht nur, dass er größer war als alles, was Finn kannte. Auch seine Waffen versetzen den Führer der Fianna in Angst und Schrecken. Doch Finn wäre nicht Finn, wenn er nicht neben der Stärke seiner Arme auch eine ganze Menge Witz besitzen würde. Und so ersann er eine List. "Manchmal siegt der Schlauere über den Stärkeren!", sagte er sich und lief zu seiner Mutter und bat sie, einige Pfannkuchen zu backen. Die Iren waren schließlich berühmt für ihre Gastfreundschaft, selbst wenn der Gast ein Feind war.

Als der Waliser nun bei Finn anlangte, da lud ihn Finn zunächst ein, etwas mit ihm zu essen. Der Riese nahm das gerne an, war der Weg doch ganz schön weit gewesen. Der Waliser grinste vor sich hin: Finn war viel kleiner und wirkte bei weitem schwächer als er selber, so glaubte er seinen Kampf schon gewonnen. Bei Tisch reichte Finn dem Riesen nun einen Pfannkuchen und nahm sich selber einen. Doch bei dem, den er dem Riesen reichte, hatte er heimlich die Metallplatte, auf der er gebacken wurde, drunter gelassen. Der Waliser merkte es nicht! Was er merkte war, dass Finn schon bald fertig war während er kaum die Hälfte geschafft hatte. Doch das hätte ihn gewiss nicht in Schrecken versetzt, wenn er sich nicht schon eine ganze Reihe Zähne daran ausgebissen hätte. "Mit einem Pfannkuchen wird man ja nicht satt! Da ist ja nichts dran", sagte Finn und machte sich auf, um Nachschub zu holen. Da packte den Waliser nun die Angst: So unscheinbar dieser Finn auch war, so mächtig schien er zu sein. An seinen Pfannkuchen, die Finn so weg aß, biss sich ein einfacher Riese wie er alle Zähne aus. Und als Finn aus dem Zimmer war, schlich sich der Riese davon und lief nach Hause. Nie wieder hat er einen Fuß auf Irland gesetzt.

Aus “Legends Of Killarney”, übersetzt und nacherzählt

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